«Gehts hier lang zur Rotondohütte?» fragten uns zwei Touristen aus Deutschland. Wadentief standen sie in ihren Wanderschuhen im frischen Schnee und waren hörbar aus dem Atem gekommen. Leichte Verunsicherung gepaart mit dem verbissenen Willen die warme Stube zu erreichen lasen wir in ihren Gesichtern. «Theoretisch ja…», lautete unsere Antwort. «Ihr werdet vor dem Eindunklen die Hütte aber nicht mehr erreichen». Es war gerade mal 10 Uhr in der Früh und wir mussten es ihnen sagen. Sie hatten den Schnee unterschätzt: «Im Wanderführer stand 3–4 Stunden Aufstieg…» entgegneten Sie uns, und irgendwie taten sie mir leid. Weniger leid haben die zwei dem Hüttenwart der Rotondohütte getan: «Idioten! Ich sags immer wieder! Idioten! Die Hälfte, nein nein, zwei Drittel der Leute die hier hinauf kommen wissen entweder nicht was es heisst in die Berge zu gehen, oder wie man sich in einer SAC Hütte zu verhalten hat». Es folgten eine handvoll Anekdoten, welche unserer Begegnung heute Morgen sehr ähnlich waren. Christoph ist ein liebenswerter und geselliger Mensch. Doch die Hütte und die Besucher mit all ihren Ecken und Kanten, rauben ihm seit den drei Jahren die er nun hier oben ist, die Nerven.
«Ihr seid anders», sagt er zu uns. «Ihr habt Respekt vor dem Schnee und ihr stürmt auch nicht einfach mit den nassen Skischuhen in die warme Stube.» Auch wir empfinden die Begegnung als äusserst inspirierend. Anders als bisher erlebte Besuche in einer SAC-Hütte. Wir sind die einzigen Gäste in dieser frühen Januarwoche. Und so bleibt genügend Zeit zum Diskutieren und, wir glaubten es kaum, zum Pokern! Christoph forderte uns heraus…
Nicht nur in der Hütte waren wir unter uns, das ganze Rotondogebiet lag frisch verschneit vor uns. Wir spurten mit den Splitboards tiefe Spuren, legten drei schwungvolle Linien auf den Gletscher und bahnten uns einen Weg bis auf den Sattel vom grossen Muttenhorn. Für den Gipfel reichte die Zeit leider nicht mehr, es war schon fast drei. Knapp sieben Stunden waren wir an dem Tag unterwegs, und im Eindunkeln zurück bei Christoph und den warmen Getränken. Auch am dritten Tag mussten wir einen Kompromiss machen, und den geplanten Überstieg ins Bedrettotal mangels sicheren Verhältnissen vor der Schlüsselstelle abblasen. Aber was solls!? So ist das nun mal beim Touren. Wir nehmen was wir kriegen können ohne dabei den Respekt vor dem Berg und auch vor den Bewohnern zu verlieren. Und glaubt mir, für jedes mal Umkehren gibt’s faustdick Powder hinter die Ohren oder wir lernen so interessante Menschen wie Christoph kennen. Snowboardtouren sind ein performatives Gesamtkunstwerk, von der Anreise über die Linien am Berg bis hin zu den Stunden in den Hütten mit Freunden und einem Bier in der Hand. (Text von Nicolas Fojtu)
Wenn ihr mehr über Snowboardtouren rund ums Rotondogebiet und in den Schweizer Alpen erfahren wollt checkt: www.helveticbackcountry.ch



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